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Wallis Sommer 2010

 4-Tagesritt im Unterwallis: Val d'Hérens von Sion bis Haudères

2 Tagesritte im Goms (Oberwallis): Belalp und Grimsel

 

Tag 1

Ich habe mich sehr kurzfristig dazu entschlossen, in diesem Frühling (bzw. Frühsommer, es ist Ende Juni) doch noch einen Ritt zu machen.Mügi fällt immer noch aus; sie ist in den letzten Wochen nur als Handpferd mitgekommen, weil sie mir einfach wieder zu wenig spritzig war. Am Donnerstag Abend fällt der Entschluss; am Freitag morgen spreche ich mit Roger von www.ranch.ch, und am Freitag Abend weiss ich, dass ich bei einer Freundin meinen Wunschplatz für Mügi bekomme, wo sie bestens versorgt wird und auch ihre Medis bekommt. Am Samstag hole ich mir noch schnell einen Hexenschuss, als ich Mügis Hufe berunde, und am Sonntag Mittag geht’s los, ins Wallis.

Roger hat sich spontan einverstanden erklärt, dass ich mich seinem 6-Tagesritt anschliessen darf. Ich profitiere von seinen Ortskenntnissen, vom Gepäck- und Futtertransport, von den Unterkünften und der Verpflegung, aber ich werde alleine reiten, und so auch meinen Hund problemlos mitnehmen können.

  

Nach drei Stunden Fahrt in der Nachmittagshitze kommen wir in Sion an. Diala bekommt einen Paddock für die Nacht, und nach dem Nachtessen nimmt sich Roger die Zeit, mir die ersten drei Tage genauestens in die Karte einzuzeichnen. Eigentlich wäre mir lieber gewesen, er hätte das etwas weniger detailliert getan, und ich hätte dafür gleich alle 6 Tage auf mein GPS übertragen können. Aber ich begreife, dass er die Route möglicherweise dem Niveau der Gäste würde anpassen müssen.

 

 

Um zehn Uhr soll es losgehen. Eigentlich widerstrebt es mir, die beste Zeit des Tages vorbeigehen zu lassen – aber ich will auch nicht kurz vor den andern reiten, mich quasi verfolgt fühlen. Es ist jetzt schon heiss, und Diala hat auch nicht gerade eine super Kondition, da ich vor den Ferien kaum Zeit für’s Reiten gehabt habe. Dann reite ich aber doch los – die Gruppe ist noch alles andere als bereit.

 

 

 

Diala marschiert brav, nimmt die erste, lange Steigung in Angriff. Nach kurzer Zeit ist sie schon nassgeschwitzt. Sie darf ihr Tempo gehen, also recht gemütlich. Bergab steige ich ab, wie immer. Es ist eine schöne Strecke; zwar ein kurzes Stück auf der Strasse, aber dann geht es auf wunderschöne Waldwege. Bald schon entdecke ich eine Abzweigung zu einer alten Brücke: möglicherweise ein schöner Rastplatz.

 

 

Die alte Brücke bietet erfrischenden Schatten über dem Wildbach.

 

 

Ich trete ans Geländer – und da gefriert mir das Blut in den Adern: Askja will auch über das Geländer schauen, und setzt mit einem gewaltigen Sprung auf das schmale, steil abfallende Mäuerchen.... ich wäre viel zu langsam gewesen, zu reagieren, wenn sie sich nicht im letzten Moment noch hätte ausbalancieren können. Das steinige Bachbett liegt etwa 10 Meter unter uns...

Nach einer Pause geht’s weiter. Nach einer Bachüberquerung fällt mein Blick auf eine Gletschermühle, einen Hexenkochtopf (marmite de sorcière), wie das Gebilde hier genannt wird.

 

 

Das Wallis blüht. Fast macht es mir ein wenig Sorgen, dass die Bauern nicht am Heuen sind – es ist Ende Juni, und bisher war Heuen absolut unmöglich – ist der lokale Wetterbericht doch nicht so gut, wie ich dachte? Trotzdem geniesse ich die Blumenpracht der zahlreichen Trockenwiesen.

 

 

 

 

Die Gruppe hat mich während der Pause überholt, und ich treffe bald darauf auf den Mittagsrastplatz, wo die Pferde im Schatten stehen. Ich bekomme einen Kaffee (ich habe bei der Brücke schon gegessen), Askja jede Menge Picknickresten, Diala wird abgesattelt und darf grasen, und alle sind zufrieden.

 

Aufbruch – mir gefällt es, zuletzt zu reiten, und ich sattle erst wieder, als die andern schon fast am losreiten sind. Diala protestiert kurz, ist dann aber sofort wieder „bei mir“.

Weiter geht es, erstaunlich oft auf wunderschönen Graswegen.

 

 

 

Eine heisse Quelle lädt zum Bade ein - aber da sind schon diverse Leute... ich denke nicht, dass ich mit meinen Tieren willkommen wäre, und anbinden will ich Askja nicht.

 

 

 

Ein steiler Anstieg: ich steige ab, und wechsle auf’s „Schweiftaxi“.

 

 

Diala geht voran, ich lasse mich am Schweif mit etwa 10-20 kg (wieviel es wirklich ist, das ist schwer einzuschätzen) mitziehen. So komme ich am schnellsten voran. Diala muss, wenn überhaupt, viel seltener Verschnaufpausen einlegen, und ich kann fast ebenso leicht gehen, wie in der Ebene.

 

  

 

Nach der grossen Steigung finde ich einen Dorfbrunnen, und dusche Diala mit meiner Trinkflasche ausgiebig ab. Sie geniesst es; sie macht mir immer etwas Sorgen, weil sie erst trinkt, wenn sie wirklich Wasser braucht. Längst nicht jeder Bach oder Brunnen ist ihr genehm. So nütze ich die Gelegenheit, sie abzukühlen, und ihr so das Schwitzen zu erleichtern. Wir lassen uns Zeit, denn ich habe die Gruppe schon fast wieder eingeholt...

 

 

 

 

Am Himmel wird es langsam spannend, aber es sieht nicht wirklich nach einem Gewitter aus.

 

 

noch ein paar Minuten, dann sind wir bei der Unterkunft.

 

 

Irgendwo da unten muss es sein...

 

 

Diala bekomt ein Weidlein, und die anderen Pferde werden unter Dach angebunden. Die Nacht bleibt bis auf einen kurzen Schauer, der niemanden stört,  trocken. Durch ein Missverständnis ist mein Gepäck zuhause stehengeblieben – kein Problem, wer braucht denn ein Zelt, wenn ein Gepäckwagen da steht? Was wir wirklich dringend brauchen, ist dabei, und in der Hütte findet sich auch noch eine freie Wolldecke.

 

 

 

 

 

Tag 2

 

 

Heute schaffe ich es wirklich, zuletzt abzureiten, da ich trödle, wie ich nur kann. Gemütlich gehen wir vorwärts - aber ich muss schon bald die erste Fresspause machen, denn die andern haben zu allererst eine grosse Pinkelpause eingelegt.

Trotzdem sehe ich die Gruppe schon bald wieder ein paar hundert Meter voraus - nochmals Fresspause. So kommt man nicht wirklich voran..

Die Gruppe reitet auf direktem Weg zu der nächsten Unterkunft. Für mich unverständlich: es ist doch Prachtswetter... ich lege noch eine Schlaufe zum Mont Noble ein, damit es sich doch gelohnt hat, heute zu satteln. 

Auch wenn ich ein kurzes Stück doppelt reiten muss, ist es doch eine reizvolle Strecke.

Nach einem sehr steilen Aufstieg, entlang einem Skilift kommen wir unterhalb des Gipfels des Mont Noble auf eine Alp. Während der Fresspause überlege ich, ob ich noch ganz hinauf reiten will, wie ich es eigentlich vorgehabt habe  - aber dort oben entwickelt sich ein Gewitter, und ganz offensichtlich regnet es auf der anderen Seite des Grates.  Also ziehe ich es vor, auf meiner weniger exponierten Höhe zu bleiben - ich mag Gewitter in den Bergen nicht besonders... wegen den Zäunen muss ich aber doch noch ein Stück aufwärts, aber das Gewitter bleibt drüben.

Hinter der nächsten Biegung ist die Alphütte, unsere heutige Unterkunft. Auf den letzten Metern fängt es an, zu nieseln - kein Problem, ich werde ja gleich das Zelt aufstellen können, und den Sattel ins Trockene bringen können.

Aber da ist kein Trossfahrzeug: die andern haben schon längst abgesattelt, und warten, dass jemand den Schlüssel zur Unterkunft bringt. Als dann der Regen richtig einsetzt, sinkt die Stimmung: man hatte die Winterkleider nicht auf dem Pferd, und man fängt an, zu frieren... ich muss mich entscheiden: was will ich zudecken, Sattel oder Pferd? ich tröste mich damit, dass ich ja Diala über Nacht die Regendecke auflegen kann, und lege meinen Regenmantel über den Sattel und das Pad. Das Trossfahrzeug kommt, und ich stelle das Zelt auf. Aber die erhoffte Regenpause kommt nicht, der Regen hängt ein, und ich muss Diala klatschnass zudecken. Ich ziehe ihr die Fleecedecke darunter, aber sie wird die ganze Nacht kalt darunter sein - immerhin ist sie aber gegen den kalten Wind geschützt.

Ich habe ja mein Weidlein und die Regendecke dabei, aber die andern Pferde werden in einem Felssturzgebiet an den mächtigen Steinen angebunden - ausser etwas Windschutz stehen sie buchstäblich im Regen. Es wird empfindlich kühl, und wir sind doch auf 2370 müM... ich friere, da ich nur meine Kleider und den nassen Regenmantel zu zudecken habe - meine Fleecedecke liegt auf Diala. Warum habe ich bloss nicht mehr Decken ins Fahhrzeug gepackt...irgendwann schlafe ich doch ein, aber das Aufstehen bei Sonnenaufgang fällt mir nicht schwer! Ich mache mit Askja einen Spaziergang, um warm zu werden, und schaue zu, wie sich das Tal unter den Sonnenstrahlen erwärmt. Leider habe ich die Kamera im Zelt gelassen...

Tag 3

Heute bin ich mehrheitlich zu Fuss unterwegs - es geht erstmal nur abwärts. Aber die Wege sind nicht allzu steil, Diala marschiert gut.

Sie hat wohl Hunger... sobald das Gras wieder höher steht, machen wir eine Fresspause, denn auf dem Berg oben hat sie in der Nacht nicht gerade viel Futter gefunden.

Im Tal unten, zuhinterst im Val d'Hérens, schlage ich mein Zelt auf einem Wieslein neben dem Bach auf, und wir lassen uns im Restaurant verwöhnen. Ich darf in einem der Zimmer duschen, und so wird das eine ganz gemütliche Nacht: das Rauschen des Bachs und Dialas Mahl-Geräusche wiegen mich bald in den Schlaf. 

 

Tag 4

Am Morgen dann die ernüchternde Nachricht: die Leute sind von der gestrigen nasskaltenWarterei und der Unterkunft frustriert, und fürchten dass sie in den nächsten beiden Nächten ebenfalls in einer Alphütte ohne Dusche und fliessendem Wasser nächtigen müssen. Womit sie vermutlich Recht haben... aber leider beschliesst die Gruppe, den Ritt abzubrechen. Schade, denn ich habe mich auf den mutmasslich schönsten Teil der Strecke auf einem fast eben verlaufenden Höhenweg gefreut. Da ich meine alte Lady (sie ist immerhin 18 jährig) nicht noch mit dem Zelt und allem Drum und Dran belasten will (das sind doch mindestens 10 Kilo mehr, inkl. Futter, Regendecke und Paddock), und weil ich nicht weiss,ob ich da oben überhaupt genügend Gras für sie finden werde, beschliesse ich, den Ritt ebenfalls abzubrechen. Ich kann mit dem Trossfahrer nach Sion zurück fahren, und meinen Anhänger holen. 

Zurück bei den Pferden, sattle ich, und mache noch einen Ausflug zum Glacier de Ferpècle. Ich habe nette Begleitung...

Am Ende der Gletscherzunge ist ein bezaubernder Gletschergarten

Es ist heiss- Askja nimmt ein eiskaltes Bad im Gletscherwasser.

eine einsame Gänseblümchenstaude bietet der eisigen Gletschermilch die Stirn

 

hier blüht sogar der Wald: ich komme auf dem Rückweg an einigen Lichtungen vorbei, die voller prächtiger wilder Türkenbundlilien sind.

Zurück in Les Haudères, lade ich ein, und fahre nach Baltschieder, um meine letzten beiden Tage noch im Oberwallis zu verbringen. Da habe ich eine komfortable Boxe für Diala - sie darf auch wieder einmal "Hotel" haben...

Tag 5

am Morgen finde ich Diala im schattigen Auslauf, gemütlich vor einem Rest Heu. Sie ist kugelrund, hat also sicher genug bekommen... Ich freue mich,dass sie nicht in der Boxe bleiben musste.

Wir fahren nach Blatten, um den Aufstieg nach Belalp unter die Hufe zu nehmen. Dies ist einer der schönsten Orte, um den Aletschgletscher zu sehen. 

Askja ist aufmerksam und tut ihren Job...

Diala bekommt natürlich nach dem steilen Aufstieg als erstes ihre Fresspause 

Es ist heiss, Askja hat Schatten gefunden...

am Aletschgletscher fällt die Gletscherschmelze besonders auf: in den letzten zehn Jahren hat er viel von seiner Schönheit, und sicher 300m Länge verloren

Ich wende und gehe einige Kilometer auf dem Höhenweg nach Süden. 

Ein Elektrozaun ist im Weg - für die gute Diala kein Problem. Ich mache ihn mit meiner Weste sichtbar, und sie steigt sorgfältig darüber hinweg.

(habe ich schon erwähnt, dass man bei solchen Aktionen das Handy aus den Taschen nehmen sollte?wink )

eigentlich würde ich gerne noch weiter reiten, aber im Tal unten braut sich ein Gewitter zusammen. Ich mag keine Gewitter in den Bergen - habe ich das schon gesagt?

so gehen wir den Weg zurück, und machen uns auf den Abstieg

Die Schwarznasen warten schon ungeduldig auf die Alpauffuhr - ihnen ist das Wetter egal

Wir haben Glück, wir bekommen nur einige Tropfen zu spüren. Erst in dem Moment, in dem ich die Klappe des Transporters schliesse, bricht das Gewitter in voller Stärke los. 

 

Tag 6

Diala geniesst den Stall, sie hat sich in beiden Nächten hingelegt. Heute machen wir und so langsam in Richtung Heimat auf, wir fahren ins Obergoms. Auf dem Flugplatz von Reckingen stelle ich den Transporter ab

Dem Rotten (der jungen Rhone) entlang geht es talaufwärts, und dann bald hinüber an den sonnigen Hang.

Der Weg steig sanft an

Es ist heiss - der ideale Standort für wilde Feuerlilien

Oberhalb der Waldgrenze ist keinSchatten mehr...

Suchbild: wo ist der Hund?

es ist heiss...

Askja weiss genau, wo man hier Schatten findet

es ist immer noch heiss...

Ich möchte noch ein Stück weit zur Grimsel hinauf gehen. Dieses Wegstück ist Teil der historischen Sbrinz-Route

Im Tal unten zieht wieder ein Gewitter heran - es ist Zeit, von dem Schutz-losen Berg zu verschwinden

aber die Alpenrosen sind so wunderschön - ein paar Fotos müssen einfach noch sein.

im Norden ist immer noch strahlend blauer Himmel

danach geht es in zügigem Tempo talwärts.

auf halber Höhe fängt es an, zu tröpfeln...

... und 10 Minuten, bevor ich auf dem Talboden wäre, bricht das Gewitter richtig los. 

Ich suche im Jungolz Schutz, binde Diala an einer kleinen Tanne an, und kauere mich mit Askja in 30 Distanz in eine Kuhle im Wäldchen. Das Gewitter tobt sich genau über uns aus und scheint stehen zu bleiben, es ist etwas ungemütlich... nach einer guten halben Stunde endlich werden die Intervalle zwischen Blitz und Donner etwas grösser, das Gewitter entfernt sich zögernd. Nun kommt es auch  nicht mehr drauf an, wir sind alle durchnässt, also gehen wir im Regen weiter.

Wir stellen uns noch einen Moment bei einer Garage unter, aber das bringt auch nichts - es schüttet immer noch.

Was weiter oben noch ein harmloses Rinnsal war, kommt jetzt mit viel Wucht den Hang hinunter

So gehen wir weiter, bis zum Bahnhof. Ich überlege: habe ich Lust, die 5 km zum Auto noch zu reiten, oder hole ich lieber das Gespann her, und verlade dann gleich für nach Hause? ein Blick zum Himmel erleichtert mir die Entscheidung: es ist immer noch schwarz talabwärts, und immer noch ist grollender Donner zu hören. Also binde ich Diala im Bahnhof im Trockenen an, teile der verdutzten Schalterbeamtin mit, dass das Pferd nicht ausgesetzt sei, sondern wieder abgeholt werde, und rufe mir ein Taxi. 

Bald darauf ist Diala eingeladen, wir rollen auf den Zug, und kommen jenseits des Gotthards wieder auf die Strasse. Auch die Reuss hat Hochwasser...

Eine wunderschöne Woche ist vorbei, und der Wetterumschlag ist ganze zehn Minuten zu früh gekommen. Was will man mehr?

Diala hat einmal mehr bewiesen, dass sie das ideale Wanderreitpferd ist: absolut zuverlässig, trittsicher, unkompliziert, stark, fleissig, unermüdlich. Danke, meine Schöne!

 

 

 

 

 

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